Motorrad-Führerschein als Vater

Liebe Mitglieder: ich möchte an dieser Stelle auf ein neues Projekt von mir aufmerksam machen: www.japan-stromer.de bietet allen Fans der neuen Honda WN7 eine Plattform.

Dabei handelt es sich um das erste größere Elektromotorrad von Honda. Vielleicht finden das einige doch interessant und wollen dieser Technologie eine Chance geben.

Honda WN7 Forum

Die gewohnte Forensoftware und mich gibt's mit dazu ;-)
Euer Admin Markus

    • Offizieller Beitrag

    Den lustigen Beitrag in der FAZ will ich euch hier verlinken und den Text komplett auch hier einfügen, denn wer weiß wie lange dieser amüsante Text online ist.

    Mutprobe auf der Überholspur: Motorrad-Führerschein als Vater
    Unser Autor hat sich vorgenommen, Motorradfahren zu lernen. Seine Familie reagiert mit Entsetzen: Wird er es schaffen? Und dabei auch möglichst unverletzt…
    www.faz.net

    „Überhole, oder willst du dein ganzes Leben immer nur zögern?“
    Von Alexander Krützfeldt 31.03.2025, 08:38 Lesezeit: 8 Min.

    Unser Autor hat sich vorgenommen, Motorradfahren zu lernen. Seine Familie reagiert mit Entsetzen: Wird er es schaffen? Und dabei auch möglichst unverletzt bleiben?

    Mutprobe auf der Überholspur: Motorrad-Führerschein als Vater

    Motorradprüfung: „Überhole, oder willst du dein ganzes Leben immer nur zögern?“

    Gegen die Schatten der Vergangenheit: Autor Alexander Krützfeldt will auf dem Motorrad alle Bedenken hinter sich lassen.

    Unser Autor hat sich vorgenommen, Motorradfahren zu lernen. Seine Familie reagiert mit Entsetzen: Wird er es schaffen? Und dabei auch möglichst unverletzt bleiben?

    Als ich meiner Familie eröffne, dass ich den Motorradführerschein machen werde, ist sie fassungslos. Ob ich eigentlich wisse, wie ich Auto fahre? Ob ich beabsichtige, mich totzufahren? Auch in meinem Freundeskreis sind es überwiegend die Frauen, die Bedenken haben. Die mich ermahnen, dass man als Vater zweier Kleinkinder keinen Motorradführerschein mache, sondern das Geld lieber in Bausparverträge investieren sollte. Während die Väter, also die Freunde meiner Freundinnen, überwiegend nervös auf dem Stuhl umherrutschen und rufen: „Geil, Alter!“ Oder einfach: „Wrem, Wrem!“

    Ich bin kein guter Autofahrer. Besser: In meiner Familie hält sich hartnäckig das Gerücht, dass ich kein guter Autofahrer bin. Was natürlich Quatsch ist. Ich bin jetzt annähernd achtzehneinhalb Jahre unfallfrei, was man, und ich möchte nicht undankbar sein, vom Rest meiner Familie nicht behaupten kann.

    Da machen die Richtigen Scherze

    Neulich erst hat mir mein Stiefvater, der rechtlich gesehen nicht mein Stiefvater ist, beim Italiener in einer Lautstärke, so dass es alle hören konnten, gesagt, dass er mir nicht sein Auto leihen könne. Einen Tag später hat er den Wagen mit großem Ernst in ein Baugerüst gefahren. Mein Vater fährt auf eine Art Auto, dass man vorher diesen Warnhinweis einblenden sollte, wie vor Filmen und Computerspielen, für licht- und sprachsensitive Menschen. Aber wie das so ist: Wenn eine Sache erst einmal in der Welt ist, genießt sie Bestandsschutz.

    Weil ich vor 20 Jahren zwei-, dreimal durch die Führerscheinprüfung gefallen bin, habe ich den Ruf, ein untalentierter Autofahrer zu sein, der jeden potentiell in den Tod reißt, der auf dem Beifahrersitz Platz nimmt. Deswegen komme ich auf die Idee, das Motorradfahren zu lernen und die Schatten meiner Vergangenheit endgültig loszuwerden. Ich beschließe, meinen alten Fahrlehrer anzurufen, bei dem ich mehrmals durch die Führerscheinprüfung gefallen bin, um ihn zu fragen, ob ich bei ihm nicht den 125er-Führerschein machen könne.

    Manchmal arbeitet mein Gehirn so, denn bis zu dem Zeitpunkt, in dem ich es ausspreche, klingt das absolut logisch in meinem Kopf – unmittelbar danach kommt mir die Idee allerdings auch mindestens ungewöhnlich vor. Das Gespräch jedenfalls ist nicht sonderlich lang, mein Fahrlehrer sagt lange nichts und dann: Ob ich masochistisch veranlagt sei? Ich stammle: Nein, also, ja, also, habe ich noch nicht drüber nachgedacht. Anschließend stürzt seine bauschuttartige Lache von der jahrzehntelangen Raucherei durch das Telefon ab. Dann sagt er nach einer kurzen Pause: „Samstag um neun.“

    Jetzt geht es los

    Wenn ich etwas im Leben erreichen will, bereite ich mich ausgiebig vor. In der Praxis sieht das so aus, dass ich schon beim Zusammenstellen meiner Unterlagen feststelle, dass ich mit meiner Idee da in etwas hineingeraten bin. Zunächst sieht das Fahrschulgebäude, das an einer viel befahrenen Straße liegt, überhaupt nicht mehr aus wie das Fahrschulgebäude, das ich in Erinnerung habe; also das, in dem man im Theorieunterricht Nackenschläge aus der hinteren Reihe bekommt. Aber ich bin ja mittlerweile auch ein anderer Mensch. Ich beabsichtige nicht, soweit das in meiner Macht steht, dass sich die Geschichte wiederholt.

    Vor der Tür warten etwa zehn Personen, die sich, grob gesagt, in zwei Gruppen unterteilen lassen. Die eine Gruppe steckt die Köpfe zusammen und sagt, hoffentlich kommt die dumme Sabine nicht, aber dann kommt die Sabine doch, und alle so: „Heeeey, Sabineee!“ Die andere Gruppe steht mürrisch im Kreis und raucht, und einer sagt, im Grunde brauche er ja nur diesen Stempel, alles andere wisse er schon.

    Anschließend werden wir auf unbequeme Stühle verteilt, über denen Vorfahrtsschilder angebracht sind sowie Teile eines Autos, denke ich mal. Unser Fahrlehrer, der nicht mein Fahrlehrer ist, sondern ein Fahrlehrer, der „nur Theorie“ machen darf (vielleicht ist er vorbestraft?), reibt sich vorne die Hände. Grundsätzlich sei es so mit dem Motorradfahren, sagt er, dass man ziemlich schnell tot sei; da wolle er uns keine Illusionen machen. Er habe jüngst das Motorradfahren aufgegeben, weil seine Liebe zum Motorradfahren zwar groß, seine Liebe zu seiner Frau aber noch größer sei. Der Mann in der hinteren Reihe, der nur den Stempel braucht, verschränkt seine haarigen Arme und schaut skeptisch. Da sind jetzt Emotionen im Spiel.

    Sich die Risiken bewusst machen

    Anschließend erklärt uns der Fahrlehrer umständlich sämtliche Arten zu sterben. Dazu gehören: Lastwagen, Laub auf der Straße, plötzlich ausscherende Landmaschinen mit Mähwerk, Kies, Sand, schlecht gewartete Motorräder, plötzlicher Wildwechsel sowie andere Verkehrsteilnehmer, die sich im Grunde ganz ähnlich verhielten. Damit, sagt er, wolle er nun auch überleiten zu dem Teil, in dem er uns erkläre, wie man das alles wirkungsvoll verhindere. Daraufhin schaltet er den Beamer ein.

    Wer denn schon ein Motorrad habe, will der Fahrlehrer wissen. Zahlreiche Hände gehen in die Höhe. Ich schaue sicherheitshalber nach hinten: Ja, es sind alle. Offenbar hat niemand hier wie ich ernsthafte Zweifel, den Führerschein auch zu schaffen. Eine geschlagene Viertelstunde zählen Männer daraufhin Buchstaben und Zahlenkombinationen auf, die mir absolut nichts sagen. Als ich an der Reihe bin, sage ich: „Ich wünsche mir ein Elektromotorrad.“ Das ist offenbar ein Fehler.

    „Oh Gott“, sagt einer.

    „Gott“, sagt ein anderer.

    „Die Gemüse-Fraktion“, sagt der, der nur den Stempel braucht, und bekommt dafür einen aufmunternden Schlag in den Nacken, aus der hintersten Reihe.

    „Raucht nicht, stinkt nicht“, sagt der Fahrlehrer, „ist aber die Zukunft.“

    Ich füge schnell hinzu, dass es wesentlich schneller sei als jeder Verbrenner, weil ich denke, das könnte Männer am ehesten beeindrucken. Aber der aus der hinteren Reihe sagt nur: „Aber nicht, wenn du es fährst.“ Dann lacht er und verschränkt die Arme und versichert sich mit Blicken nach hinten. Ich starte einen letzten Versuch und sage, dass es vielleicht auch umweltfreundlicher sei, niedrigerer Preis pro Wartung, und ernte daraufhin Blicke von ihm, als wäre er gerade in eine große Scherbe getreten.

    .

    Glück kann man nicht kaufen - aber ein Motorrad und damit fahren - dann ist man ganz nah dran. :)
    - (über 140.000km (seit Sept. 2011) mit zwei Shiver 750) - seit über 60 tkm mit >MEGAöler = GPS-Kettenöler "the best you can get"

    Vogelsberg
    ...das größte zusammenhängende Vulkangebiet Mitteleuropas. (Wikipedia)

    • Offizieller Beitrag

    Teil 2

    Die Fahrprüfung

    Nach 30 Minuten werde ich sehr müde und bekomme das Bedürfnis zu kippeln.

    Dann sitze ich in voller Montur auf dem Motorrad und stelle die Rückspiegel ein. Ich stelle immer etwas ein, wenn ich Angst habe, mich einer Tätigkeit tatsächlich zu widmen. Mein Fahrlehrer, der jetzt mein richtiger Fahrlehrer ist, herrscht mich über den Sprechfunk an, ob ich den ganzen Tag stehen wolle oder parken übe. Meine Hände sind kalt und nass, und ich kann den Lenker kaum greifen ohne Phantomschmerzen.

    Ich drehe also vorsichtig am Gasgriff, und der Motor säuft ab.

    Ich drehe noch einmal am Gasgriff, und der Motor säuft ab.

    Was los sei, will mein Fahrlehrer wissen. Ob ich etwa da anknüpfen wolle, wo ich in meiner Jugend erfolgreich aufgehört hätte.

    Ich fühle mich plötzlich total schlecht, als müsste ich mich kurz einmal hinlegen.

    Ich drehe noch einmal den Gasgriff, das Motorrad buckelt und säuft dann ab.

    Mein Fahrlehrer wird ein bisschen hysterisch, wie ich finde, während er mich in meinem Rücken durch die Windschutzscheibe beobachtet. ICH SOLLE DAS VERDAMMT NOCH EINMAL MIT GEFÜHL MACHEN, herrscht er mich an. Ob ich ein Mann sei oder ein Hähnchen.

    Da ich ihn lange genug kenne, weiß ich, dass er das total lieb meint. Ich sage mir, andere Leute haben richtige Probleme; er ist in Wirklichkeit auch nur ein umgänglicher, fürsorglicher Typ.

    Ich schließe die Augen, atme tief durch und sage mir, um deine Ängste zu besiegen, musst du sie anerkennen und dich ihnen stellen: Starte jetzt einfach diesen verdammten Motor. Positives zieht Positives an, andersrum aber genauso. Dann drehe ich langsam den Gasgriff runter und nehme die Füße vom Asphalt auf die Tritte, und dann merke ich, wie die Schaltung greift und sich die Räder unter mir langsam in Bewegung setzen und über den Asphalt abrollen.

    Ich finde, ich kann heute viel besser mit Druck fertigwerden als früher.

    Mutprobe auf der Überholspur

    Wir befinden uns auf der Landstraße. Neben mir zittert der Wald, der Wind reißt eiskalt an meiner Kleidung, meine Finger wären nur mit dem Brecheisen noch von den Griffen zu trennen. Im Motorradladen habe ich die einzige Jacke gekauft, die nicht komplett schwarz ist und aus Leder. Mein Fahrlehrer hatte mich gefragt, ob ich immer um jeden Preis auffallen müsse. Aber ich finde, dass auch das Wild ein Recht auf Leben hat, wenn ihm so ein panischer Fahrer entgegenschlägt.

    Vor mir in einer Kurve ein auffälliger Holzlastwagen. Er sieht so aus wie der Holzlastwagen des Todes aus dem Theorieunterricht.

    Überholen, sagt mein Fahrlehrer knarzend im Sprechfunk.

    Ich tue das, was in diesem Land getan wird, wenn wichtige Entscheidungen anstehen: erst einmal nichts. Ich versuche, den Kopf zu schütteln, damit mein Fahrlehrer das sieht, der hinter mir fährt. Aber das geht bei der Geschwindigkeit nun wirklich nicht.

    ÜBERHOLEN, schreit mein Fahrerlehrer. Ich reagiere nicht.

    Mein Nacken schmerzt, meine Hände verlieren langsam den Halt, rutschen vom Griff, während das Motorrad rüttelt. Auch mein Visier stört. Ich habe Tränen in den Augen.

    In meinem gesamten bisherigen Leben habe ich stets sauber abgewogen, welche Alternativen ich habe. Vielleicht bin ich ängstlich, habe ein hohes Sicherheitsbedürfnis. Vielleicht ist es Vernunft. Ich möchte mir da keine Meinung anmaßen. Aber ganz sicher gibt es in meiner Familie, gerade bei den Männern, einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen Selbstüberschätzung und Unfällen. Ist das schon eine Lebensweisheit?

    VOLL REINKNALLEN SOLLST DU UND DANN VORBEI, brüllt mein Fahrlehrer fassungslos von hinten. WILLST DU DEIN GANZES LEBEN IMMER NUR ZÖGERN ODER WAS?

    Ich schließe meine Finger um den Gasgriff. Wenn du dein Leben ändern willst, musst, kannst, dann ändere es jetzt. Das Momentum, sage ich mir, ist auf deiner Seite, exakt so lange, bis du unter diesem Laster liegst. Ob es eine gute Entscheidung wird, lässt sich erst rückwirkend sagen. Ich schließe die Finger noch einmal um den Gasgriff und mache mich bereit. Nie wieder, sage ich mir, ist jetzt. Das ist natürlich dummes Zeug, hilft mir aber in der Situation sehr. Du hast noch genügend Gelegenheiten, wie ein Opa emissionsfrei durch die Landschaft zu tuckern. Aber jetzt, sage ich mir und atme tief durch, jetzt noch nicht.

    Dann drehe ich den Gasgriff runter, der Motor brüllt auf. In der für mich nicht mehr greifbaren Geschwindigkeit von 110 Kilometern pro Stunde, was auf einer 125er wirkt wie 1000 Kilometer pro Stunde in einem alten Fiat Punto, ziehe ich raus, schieße vorbei, die Bäume fliegen, mein Leben fliegt, ich fliege, und erst kurz vor der Kurve reihe ich mich wieder ein. Mein Fahrlehrer jubelt, mein Herz möchte aus dem Körper springen, aber nicht vor Freude. Als wir wenig später den Parkplatz erreichen, steigt mein Fahrlehrer aus seinem Auto, zündet sich eine an und schlägt auf das Dach.

    Ob ich ein Problem mit Autoritäten hätte.

    Keine Ahnung, sage ich, ziehe den Helm ab und hänge ihn an den Lenker.

    Wirst du je mit Flipflops auf dem Bike Brötchen holen fahren, fragt er mich.

    Nein, sicher nicht, sage ich.

    Autobahn?

    Vermutlich nie.

    „Weißt du“, sagt mein Fahrlehrer dann, und wir betrachten gemeinsam eine Weile die Blätter, die über den Parkplatz wehen. „Vermutlich wirst du nicht sterben. Du nicht.“

    Wir nicken uns zu, wie zwei Menschen, die meinen, gerade einen bedeutungsschwangeren Satz gesagt zu haben.

    „Hier“, sagt er und drückt mir Papiere in die Hand. „Wenn irgendwann einmal Zeit ist und du nicht doch unter einem Laster klemmst, gehen wir ein Bier zusammen trinken. Abgemacht?“

    „Ja“, sage ich. Und noch bevor er ins Auto steigen kann: „Fahre ich so schlecht Auto?“

    „Nein“, sagt mein Fahrlehrer knapp. „Überhaupt nicht.“

    Bevor ich realisiere, was das jetzt heißt und wie viele Jahre es mich gekostet hat, ist mein Fahrlehrer ins Auto gestiegen. Kurz sehe ich noch die Rücklichter, dann ist er um die Kurve verschwunden. Vielleicht, denke ich, lohnt es sich manchmal, ins Risiko zu gehen und sich den Herausforderungen zu stellen. Egal, wie groß sie sind.

    Ich blicke auf die Unterlagen zur bestandenen Prüfung in meiner Hand. Manchmal ist vielleicht das Bedürfnis nach Sicherheit zu groß. Aber dann beginnt es auch schon leise zu regnen, und ich habe sofort Angst, dass die Papiere nass werden. Der einzige Beweis dafür, dass ich es dieses Mal beim allerersten Mal geschafft habe: mein Führerschein.

    Quelle: F.A.Z. Magazin

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    Glück kann man nicht kaufen - aber ein Motorrad und damit fahren - dann ist man ganz nah dran. :)
    - (über 140.000km (seit Sept. 2011) mit zwei Shiver 750) - seit über 60 tkm mit >MEGAöler = GPS-Kettenöler "the best you can get"

    Vogelsberg
    ...das größte zusammenhängende Vulkangebiet Mitteleuropas. (Wikipedia)

  • Ja, ja das Gelaber der Verwandtschaft und Bekannten. Plötzlich ist man sofort unterrichtet wer sich, wann und wo schon wieder mit dem Motorrad totgefahren hat und alle Organspender sind.

    Is mir aber egal. Ich mach eh was ich für richtig halte. ☺️

  • Vor gefühlten 40 Jahren habe ich Mio gebeichtet, das ich auf den ungesicherten
    Passstrassen Angst habe.
    Mio ganz kurz: Das hält dich am Leben . . .

    Peter